Bildungstag: Auf die Kinder wird viel zu selten gehört

Wie in jedem Jahr ermöglicht der Bildungstag in Aachen ein Forum für einen spannenden, inspirierenden Austausch.

In diesem Jahr waren wir Mitinitiatoren. Wir waren beteiligt an den Vorbereitungen der verschiedenen Workshopthemen wie auch bei der Auswahl der Referenten.

Großen Zuspruch fand der Workshop von Professor Deinet zum Thema „Offener Ganztag“.

 

 

  

Diskutierten zum Auftakt des Bildungstages: Aachens Bildungsdezernentin Susanne Schwier (v.l.), Ines Aberding und Sina Jansen von der Koordinationsstelle Jugendpartizipation beim Bildungsbüro der Städteregion, und der städteregionale Bildungsdezernent Markus Terrode. Foto: Ralf Roeger

Städteregion. Bei der Gestaltung der Zukunft werden ausgerechnet jene viel zu wenig gefragt, die es am meisten betrifft: die Kinder. Wie diese konkret besser an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und damit auch Verantwortung übernehmen können, ist besonders für Bildungseinrichtungen ein wichtiges Thema.

Forderung: „Den Mut haben, Macht abzugeben“

Beim Praxistag am Donnerstag im Gymnasium Würselen vertieften die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Wissen um Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder in Workshops mit Experten aus der Praxis.

Thematisch ging es dabei um konkrete Beteiligungsmodelle schon in den Kindertagesstätten, in Offenen Ganztagsschulen und Jugendeinrichtungen. Ibrahim Ismail vom Verein Paidaia etwa zeigte auf, dass schwer erreichbare Jugendliche sich deshalb nicht an Regeln halten, weil sie nicht an deren Aufstellung beteiligt waren, und forderte dazu auf, „Mut zu haben, Macht abzugeben“.

Schüler und Lehrer des Carolus-Magnus-Gymnasiums Übach-Palenberg stellten in Würselen ihr Mitbestimmungsmodell vor, das weit über die Vorgaben der Schülervertretungsaufgaben im Schulrecht hinausgeht.

Kooperationspartner des Bildungstages 2016 sind das Bildungswerk Aachen, das Lehrerbildungszentrum der RWTH Aachen, das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung, der Zweckverband Region Aachen, der Deutsche Kinderschutzbund (Ortsverbände Aachen, Eschweiler sowie Alsdorf-Herzogenrath-Würselen) und die Bezirksschülervertretung der Städteregion Aachen.

Über 600 Vertreter von Schulen, Kitas und außerschulischen Lernorten aus der Region haben sich damit auf Initiative des Bildungsbüros der Städteregion an zwei Tagen in Aachen und Würselen beim Bildungstag 2016 beschäftigt.

Neben dem familiären Umfeld sind die Bildungseinrichtungen jene Orte, an denen Kinder wohl die meiste Zeit verbringen. Dort findet ihre Sozialisation statt, dort lernen sie Freunde und Konflikte kennen. „Wir Erwachsenen dürfen nicht immer denken, dass wir allein wüssten, was gut für die Kinder ist“, mahnte Susanne Schwier, Schuldezernentin der Stadt Aachen, bei der Abendveranstaltung in der Aula Carolina in Aachen.

„Aber wir müssen trotzdem auch Grenzen setzen, damit das Miteinander funktionieren kann.“ Wichtig sei auch, dass Kinder scheitern dürften, und dass sich Bildungsbeauftragte nicht gleich entmutigen ließen, wenn eines ihrer Konzepte einmal nicht auf Anhieb funktioniere, so Schwier.

Die Städteregion geht bei der Beteiligung von Jugendlichen im schulischen Bereich voran. „Wir setzen dabei stark auf die Schülervertretungen. Politische Partizipation funktioniert unserer Erfahrung nach besonders gut, wenn die Jugendlichen untereinander zusammenarbeiten“, sagte Markus Terodde, Bildungsdezernent der Städteregion.

Die Fäden aus den Schülervertretungen der Städteregion laufen bei Sina Jansen und Ines Alberding zusammen. Sie machen ihr Freiwilliges Politisches Jahr im Bildungsbüro, sammeln dort die Anregungen aus den Vertretungen und bringen diese etwa mit Jugendorganisationen von politischen Parteien zusammen.

Obwohl das Mitspracherecht für Kinder ein wenig wie ein nettes Zugeständnis der Erwachsenen klinge, müsse man das durchaus ernstnehmen, sagte Lothar Krappmann. Er ist Soziologe und international anerkannter Forscher im Bereich Kinderpolitik und war in dieser Funktion von 2010 bis 2013 auch Mitglied im Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen.

„Das Recht auf Gehör, wie die Kinderrechtskonvention die Einbeziehung der Kinder nennt, ist keinesfalls nur Wohlwollen von uns Erwachsenen. Es ist ein fundamentales Menschenrecht, das unbedingt eingehalten werden muss“, erklärte er. Es gelte daher das Prinzip, dass ein Kind, sobald es sich zu einem Sachverhalt eine eigene Meinung bilden kann, auch gehört werden muss. Wo dies noch nicht möglich sei, müssten diese zumindest beteiligt werden, betonte Krappmann.

Die Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von den Vereinten Nationen beschlossen und ist inzwischen von 196 Ländern weltweit ratifiziert worden. Sie füllte zum besonderen Schutz von Kindern und Jugendlichen eine Lücke in der bereits bestehenden Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Bis heute wird an diesem Datum der Internationale Tag der Kinderrechte gefeiert.

Für die Überlassung des Berichtes danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Zeitung und der Eschweiler Nachrichten.