Ehrenamtliche Betreuer von Flüchtlingen tauschen Erfahrungen aus

Zum ehrenamtlichen Einsatz für Flüchtlinge braucht es mehr als nur guten Willen. Bei einem Arbeitstreffen dieser Ehrenamtler am Donnerstag im Eschweiler Rathaus ging es um Ziele, Möglichkeiten und Grenzen des Engagements. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Wenn Menschen ehrenamtlich Flüchtlinge betreuen, kann das bereichernd sein und glücklich machen. Ehrenamtlich Flüchtlinge zu betreuen, kann aber auch frustrierend sein und an die Substanz gehen. Bei einem Arbeitstreffen im Eschweiler Rathaus überlegten am Donnerstag 16 Ehrenamtler gemeinsam, wie sie mit Belastungen und Erfolgen umgehen.

Dabei wurden auch die Schwierigkeiten deutlich – Schwierigkeiten mit den aus Krisengebieten nach Deutschland geflüchteten Menschen ebenso wie Schwierigkeiten mit beispielsweise deutschen Behörden.

Für Aljona Altergott und Tobias Keutgen vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion Aachen ist klar: „Ehrenamtliches Engagement ist eine bedeutende Unterstützung der Flüchtlingshilfe und trägt wesentlich zur sozialen Integration geflüchteter Menschen bei.“ Je schneller Flüchtlinge integriert werden, je schneller sie Arbeit finden, die deutsche Sprache lernen, familiär und sozial aufgefangen werden, desto weniger Geld kosten sie das Gemeinwesen.

Auch deshalb gibt es das landesweite Förderprogramm „Komm an – NRW“. Dieses Programm unterstützt bürgerschaftliches Engagement beratend und finanziell. Im Rahmen dieses Projektes hatte die Städteregion zu der Veranstaltung in Eschweiler eingeladen. Die Kölner Unternehmensberaterin Andrea G. Malorny, Fachfrau für Migrationsmanagement, leitete den Workshop, an dem vor allem Eschweiler Ehrenamtler teilnahmen.

In dem dreistündigen Workshop ging es zunächst um ein Nachdenken über das eigene Engagement: Warum setze ich mich ein? Was treibt mich an? Was will ich damit erreichen? Mit den manchmal auch selbstkritischen Antworten im Kopf gingen die Teilnehmer in kleinen Gesprächsgruppen daran, die Bedingungen ihres „Jobs“ zu formulieren. Sie dachten über die Belastungen ihres Einsatzes nach, listeten Erfolge und Möglichkeiten auf, nannten die Grenzen, an die sie dabei stoßen. Viele Erfahrungen, gute und schlechte, flossen in diese Auflistungen ein.

Berichtet wurde vom Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Bürokraten, zum Beispiel im Ausländeramt, die manchmal von oben herab, ohne den Geflüchteten auch nur anzublicken, ihre Entscheidungen und Forderungen verkünden. Berichtet wurde von vergeudeter Zeit, wenn Ehrenamtler sich extra frei nehmen, um ihre Schützlinge ins Eschweiler Rathaus zu begleiten, wenn sie dort aufgefordert werden, eine Nummer zu ziehen, und dann stundenlang herum sitzen – um am Ende zu hören, man möge doch am nächsten Tag wiederkommen.

Auch die Arbeit mit den Flüchtlingen selber kann frustrierend sein. Wenn eine Familie abgeschoben wird, für die man alle Hebel in Bewegung gesetzt und auch finanziell viel investiert hat, und diese Familie dann der ehrenamtlichen Betreuerin die Schuld für die Abschiebung gibt: Sie habe ihr den falschen Anwalt vermittelt.

Der Knall beim Zusammenstoß der Kulturen wird besonders beim Thema Pünktlichkeit hörbar. Wenn man alle Asylbewerber, die ständig deutlich zu spät zum Deutschunterricht kommen, vom Unterricht ausschließt, habe man in nullkommanichts keine Schüler mehr, berichtete eine der Teilnehmerinnen.

Immer wieder beklagt wurden von den Ehrenamtlern die vielen Monate des erzwungenen Nichtstuns für die asylsuchenden Flüchtlinge. Traumatisierte Menschen, deren Familienangehörige ermordet wurden, bleiben ohne psychologische Hilfe. Junge Männer sitzen – beispielsweise in den Weisweiler Unterkünften – Monat um Monat tatenlos herum. Dort wachse Konfliktstoff, und es fehle an Sozialarbeitern.

Dem gegenüber stehen die Erfolgserlebnisse. Die seien, versicherte Andrea G. Malorny, enorm wichtig, für die Betreuten ebenso wie für ihre Helfer. Wenn es gelungen ist, eine Wohnung zu finden. Wenn der Lehrmeister eines aus Afrika stammenden Auszubildenden signalisiert, wie gut es mit dem jungen Mann läuft. Wenn Freundschaften entstehen. Das mache sie bei aller Mühe glücklich, versicherte eine Teilnehmerin: „Wenn manche unmöglich geglaubten Dinge mit Anstrengung doch möglich werden“.

Der gute Rat der Unternehmensberaterin an alle engagierten Bürger: Es ist wichtig, zu lernen, sich auch abzugrenzen, eine Balance zu finden zwischen Einsatz und Distanz. Überzogenen Erwartungen und Forderungen solle man rechtzeitig und deutlich entgegentreten. Kommunikation und Vernetzung seien wichtig. Die Veranstaltung im Eschweiler Rathaus am Donnerstag war dazu ein kleiner Schritt.

Für die Überlassung des Berichtes danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Nachrichten und der Eschweiler Zeitung.