Beim Zirkus-Projekt wachsen Teilnehmer über sich hinaus

Kunstvoll: Chanel (oben) und Paula zeigen Akrobatik am Trapez. Foto: LL

Eschweiler. Übereinander hängen sie in der Luft: Chanel hält sich am Seil fest, Paula an der Stange des Trapezes. Dass es so weit kommen würde, hätten die beiden Mädchen vorher nicht gedacht. Doch jetzt sind sie begeistert: „Es lohnt sich, heute Abend zu unserer Show zu kommen“, sagt Paula.

Ihre kurze Darbietung ist noch Teil des Trainings. Dennoch gibt es jetzt schon jede Menge Applaus von den 88 anderen Kindern und Jugendlichen, die am Zirkus-Projekt in Eschweiler teilnehmen. Organisiert wird der fünftägige Workshop vom Netzwerk „Flügelschlag – Starke Kinder an der Inde“. In Zusammenarbeit mit „Circus Lollipop“ soll für die 7- bis 14-Jährigen ein unvergessliches Erlebnis entstehen.

Offensichtlich geht dieser Plan auf. Während bei der Clown-Nummer jede Menge gelacht wird, sorgt die Akrobatik-Gruppe für große Augen und Staunen. „Kaum zu glauben, was in wenigen Tagen möglich ist“, sagt Dorothea Kohlen, Koordinatorin des Netzwerks. Wenn sie an die Erfolge der Kinder in so kurze Zeit denkt, ist sie sprachlos.

Denn auch wenn die Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten hierher kommen, entwickelt sich jeder Teilnehmer auf seine Weise weiter. Manch ein Kind, das anfangs ängstlich war, blüht nun voller Selbstbewusstsein auf. Und das ist auch das Ziel des „Circus Lollipop“: „Die Kinder lernen hier, an sich zu glauben. Und weiter zu machen, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt“, sagt Patrick Brumbach, der Leiter des Pädagogik-Zirkus. „Jedes Kind erfährt hier ein echtes Erfolgserlebnis.“

Akrobatik in der Luft

Auch Xenia hatte zu Beginn Angst. Akrobatik in der Luft? Das hörte sich für sie erstmal gefährlich an. Mit der Hilfe der Zirkus-Trainer und der anderen Kinder hat sie ihre Sorgen aber überwunden. „Es ist wichtig, dass man einander vertraut. Und jetzt macht es riesigen Spaß.“

Teamarbeit ist eine von vielen sozialen Kompetenzen, die das Projekt fördern soll. Die jungen Teilnehmer lernen gleichzeitig, füreinander da zu sein, sich ihre Ängste gegenseitig zu nehmen und Verantwortung zu tragen. Denn: „Niemand soll heute Abend mit Lampenfieber auf die Bühne gehen, sondern mit Spaß“, bringt Brumbach es auf den Punkt.

Vor fünf Jahren hat der Zirkusdirektor den „Circus Lollipop“ mit seiner Familie übernommen. Zuvor führte er ein reines Artisten-Leben. Als schnellster Messerwerfer der Welt und als fünffacher Weltrekordhalter gehört immer noch viel hartes Training zu seinem Alltag, da er weiterhin in der Wintersaison die Showbühne betritt. Umso mehr genießen er und die anderen Artisten die Abwechslung, die die Arbeit mit den Kindern bringt – auch wenn dies manchmal mit viel Anstrengung verbunden ist.

Die Kinder strotzen nämlich nur so vor Energie. Selbst in der Pause des Trainings können sie nicht still halten. Während einige noch beim Mittagessen verweilen, das der Lions-Club Eschweiler-Stolberg bereitstellt, toben andere längst wieder in der Manege. Dabei muss auch Trainer Henry Brumbach herhalten, der sich sichtlich erschöpft den Wünschen der Kinder hingibt.

So können fünf Tage Kinder-Zirkus auch eine ganz schöne Herausforderung sein. Zumal auch der Auf- und Abbau des Zirkuszeltes dazugehört, mit der Unterstützung der EWV Energie- und Wasserversorgung aber zu meistern war.

Bürgermeister Rudi Bertram ist sich sicher, dass sich der Aufwand am Ende lohnt. „Es klingt erstmal blöd, aber was wir heute in unseren Nachwuchs investieren, trägt später Früchte.“ Das erste Ergebnis des Projektes wird sich Freitagabend zeigen, wenn die Aufführung um 18 im Zirkuszelt auf dem Gelände des Indestadions stattfindet. Es wird ein großer Erfolg, ist sich Damian sicher, und kündigt an:„Was ich heute Abend mit meiner Gruppe mache, ist etwas ganz Besonderes – ich verrate aber noch nichts.“

Von: Laura Laermann

Für die Überlassung des Berichtes danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Nachrichten und der Eschweiler Zeitung.