Zwei Stunden Jubelstürme : Fast 100 Kids liefern vor 400 Zuschauern ein Zirkus-Spektakel

27 Bilder Kids präsentieren als Zirkusneulinge ihre versteckten Talente. Foto: zva/Carsten Rose

Eschweiler Bei 90 Kindern hatte Henry Brumbach verständlicherweise Probleme, sich alle Namen zu merken, er hatte ja auch nur eine Woche dafür Zeit. Letztlich war das aber egal, er brauchte am Freitagabend keinen der sieben- bis 14-Jährigen namentlich hervorzuheben.

Sie waren alle über sich hinaus gewachsen: auf dem Trampolin, als Feuerspucker, mit dem Trapez, als Clowns, als Artisten – vor allem aber als Kinder, die sich als Zirkusneulinge trauten, vor 400 Zuschauern in der Manege zu stehen.

Henry Brumbach ist der Sohn vom Chef des „Circus Lollilop“, selbst Artist und Trainer. Das Team aus dem schwäbischen Holzheim an der Donau ist deutschlandweit unterwegs. Der Zirkus arbeitet mit Schulen und Ferienprojekten zusammen, um Kindern zu ermöglichen, eine Zirkusshow zu erarbeiten.

Dabei geht es aber nicht primär um die Show an sich. Wie beim Projekt in Eschweiler geht es auch darum, Kindern etwas zu bieten, von denen es einige sonst aus unterschiedlichen Gründen nicht immer leicht haben. Außerdem: Die Kinder durften ihre versteckten Talente und Fähigkeiten wahrnehmen, trainieren, präsentieren. Das sei „unbezahlbar“, wie Jugendamtsleiter Jürgen Termath vor der Show ins Mikro sagte. Zweistündiger Applaus, Begeisterung und höchste Anerkennung von den Rängen waren am Freitag der Lohn. In Eschweiler-Ost war es ab 18.20 Uhr sehr, sehr laut.

„Wir hätten zwei Shows anbieten können, so hoch war das Interesse“, sagte Henry Brumbach, der mit dem „Circus Lollipop“ zum zweiten Mal in den Sommerferien nach Eschweiler kam. „Wir haben eine Superwoche hinter uns. Was die Kinder zeigen, ist fast Profi-Programm.“

Soziale Komponente

Am Sonntag vor einer Woche wurde das Zelt aufgebaut, danach kamen Kinder und Trainer zwei Mal täglich zusammen. Von 10 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr. Die Kunststücke zu üben, stand selbstredend im Fokus. Aber das „Lollipop“-Angebot hat noch eine soziale Komponente: Auf den Umgang mit- und untereinander legt das Team sehr großen Wert. Beispiel? Henry Brumbach bekam schnell den Spitznamen „Henriette Fahrradkette“, er lies sich damit gerne – und gewollt – auf den Arm nehmen. Aber: „Die Kinder sollten ihren Spaß haben, aber auch schnell lernen, was der Unterschied zwischen lustig machen und beleidigen ist“, betont Brumbach. „Wir trainieren mit Disziplin und Spaß. Wir gehen mit den Kindern um, als wären es unsere eigenen. Sie müssen uns ja vertrauen.“

Das taten sie, wie sich insbesondere im zweiten Teil der Show zeigte, als manche Kinder in einigen Metern Höhe am Trapez durch die Manege glitten – entweder im Duett mit Brumbach, einem anderen Kind oder alleine.

 

Der Mut steht ihr ins Gesicht geschrieben: Am Trapez zeigten die Kinder sogar Übungen, die der „Circus Lollipo“ neu im Programm hat. Foto: ZVA/Carsten Rose

Diese artistischen Nummern waren die spektakulären Momente. Aber da waren noch die vielen kleinen Augenblicke und Auftritte, die die gleiche Begeisterung auf den Rängen hervorriefen. Da war zum Beispiel das Mädchen, für die ihre kleinen Sprünge auf dem Trampolin die Welt bedeuteten, da war die junge Clownesse, auf die alle Augen gerichtet waren, als sie vier Zuschauer „hypnotisierte“. Und nicht zu vernachlässigen die Momente, in denen das Publikum noch lauter war, als ein Kunststück erst im zweiten Anlauf klappte. „Fehler sind nicht schlimm, jeder soll lernen, wieder aufzustehen. Ich mache ja auch noch Fehler, das haben wir den Kindern beigebracht“, betonte Henry Brumbach in der Pause.

Da erzählte er auch, was Eschweiler in der Reihe der vielen Stationen so besonders mache: Wie schon vergangenes Jahr lag er einmal nachts auf dem Zeltdach und sah reihenweise Sternschnuppen.

Es waren bestimmt 90...

Info

Die dritte Auflage folgt im nächsten Jahr

Tatkräftig unterstützt wurden das „Lollipop“-Team und die Kinder dieses besonderen Ferienprojektes in der vergangenen Woche vom Lions-Club, den Bikern für soziales Engagement, der Bürgerbegegnungsstätte, dem Jugendamt der Stadt und dem Netzwerk Flügelschlag. 2020 soll es die dritte Auflage geben. Und Henry Brumbach sagte, dass es gut möglich sei, dass der „Circus Lollipop“ in Zukunft auch mal eine Show für die Kinder und Helfer anbietet.

 Für die Überlassung des Berichtes danken wir ganz herzlich der Lokalredaktion der Eschweiler Nachrichten und der Eschweiler Zeitung.

 

Dank der guten Verbindung und der engagierten Zusammenarbeit zwischen dem Kinderschutzbund und dem Netzwerk Flügelschlag konnten 30 Kinder aus der OGS Don Bosco beim Zirkusprojekt mitmachen. Unsere Betreuer haben sich um alle kleinen Artisten gut gekümmert.